Kohlenmonoxid-Gefahr im Sommer: Kaminrückstau bei Hitzeglocken & Dunstabzügen in Wien
- 1. Warum gerade der Sommer gefährlich ist
- 2. Was Kohlenmonoxid so tückisch macht
- 3. Drei Situationen, in denen CO in Wiener Wohnungen gelangt
- 4. Symptome: Woran erkennt man eine CO-Vergiftung?
- 5. CO-Melder: Was wirklich funktioniert
- 6. Was tun, wenn der CO-Alarm auslöst?
- 7. Die dauerhafte Lösung für Wiener Altbauten
- 8. Häufige Fragen
1. Warum gerade der Sommer gefährlich ist
Im Winter ist die Luft draußen kalt und schwer. Sie zieht in den Kamin hinunter, die warmen Abgase steigen nach oben und entweichen problemlos. So funktioniert ein Kamin physikalisch.
Im Sommer dreht sich das um. Bei Temperaturen über 28 bis 30 Grad Celsius ist die Außenluft genauso warm wie die Abgase im Kamin. Der Temperaturunterschied, der den Zug erzeugt, fehlt. Das nennt man Kaminrückstau oder atmosphärische Inversion.
Was passiert dann? Die Abgase verlassen die Therme, kommen in den Kamin, aber haben keinen Auftrieb. Sie stauen sich. Wenn im Badezimmer oder in der Küche ein Lüfter läuft, entsteht Unterdruck. Das reicht, um die Abgase aus dem Kamin zurück in die Wohnung zu drücken.
Das passiert in Wien häufiger als viele denken. Besonders in Gründerzeithäusern im 12., 13. und 15. Bezirk, wo ältere raumluftabhängige Gasthermen noch über gemauerte Rauchfänge entrauchert werden.
2. Was Kohlenmonoxid so tückisch macht
Kohlenmonoxid (CO) entsteht immer dann, wenn Gas nicht vollständig verbrennt. Das passiert bei zu wenig Sauerstoff in der Verbrennungskammer, bei einem verschmutzten Brenner oder eben, wenn Abgase zurückgepresst werden und der Brenner in schlechter Luft weiterläuft.
Das Gas ist vollständig geruchlos. Es riecht nicht wie Gas (das riecht nach Eiern wegen des Warnstoffs Mercaptan). CO hat keinen Geruch, keine Farbe und keinen Geschmack. Man merkt es erst, wenn man schon vergiftet ist.
CO bindet sich an den roten Blutfarbstoff Hämoglobin, und zwar über 200-mal stärker als Sauerstoff. Das bedeutet: Selbst wenn man weiter atmet, nimmt das Blut keinen Sauerstoff mehr auf. Das Gehirn und das Herz werden nicht mehr versorgt. Zuerst kommt Schwindel, dann Bewusstlosigkeit, dann Herzstillstand.
3. Drei Situationen, in denen CO in Wiener Wohnungen gelangt
Szenario 1: Dunstabzugshaube läuft, Therme ist an. Die Dunstabzugshaube saugt Luft aus der Küche und drückt sie nach außen. Gleichzeitig brennt im Bad die Gastherme für die Dusche. Der Unterdruck von der Haube reicht, um die Abgase aus dem Thermenraum in die Küche oder den Flur zu ziehen. Besonders kritisch in Altbauwohnungen ohne getrennte Lüftungskanäle für Küche und Bad.
Szenario 2: Badentlüftungslüfter läuft nach dem Duschen. Der Lüfter im Bad erzeugt Unterdruck, genau im Raum, wo die Therme hängt. Bei einer raumluftabhängigen Therme zieht das die Verbrennungsabgase aus dem Kamin direkt in den Raum.
Szenario 3: Moderne, gut abgedichtete Fenster wurden eingebaut, die alte Therme blieb. Ältere raumluftabhängige Gasthermen wurden für undichte Altbauwohnungen gebaut. Frischluft kam durch Ritzen und Fugen. Wenn neue Kunststofffenster mit guten Dichtungen eingebaut werden, die alte Therme aber bleibt, fehlt der Sauerstoff für eine saubere Verbrennung. Die Folge ist CO-Entstehung auch ohne Kaminrückstau.
4. Symptome: Woran erkennt man eine CO-Vergiftung?
| CO-Konzentration (ppm) | Wirkung | Zeit bis zu Symptomen |
|---|---|---|
| 50 ppm | Leichte Kopfschmerzen | 2 bis 3 Stunden |
| 200 ppm | Starke Kopfschmerzen, Schwindel | 2 bis 3 Stunden |
| 400 ppm | Kopfschmerzen, Erbrechen, lebensbedrohlich | 3 Stunden |
| 800 ppm | Bewusstlosigkeit | 45 Minuten |
| 1.600 ppm | Tod möglich | unter 20 Minuten |
| 6.400 ppm | Tod sehr wahrscheinlich | 1 bis 2 Minuten |
Typische frühe Symptome: Kopfschmerzen ähnlich einem Kater, Schwindel, Übelkeit, Sehstörungen. Treten diese Symptome auf, sobald Sie duschen oder in der Küche kochen, ist das ein Warnsignal. Frische Luft führt zur sofortigen Besserung, weil CO im Blut abgebaut wird.
5. CO-Melder: Was wirklich funktioniert
Ein Rauchmelder reagiert nicht auf Kohlenmonoxid. Ein Gasmelder reagiert auf Methan (das Leitungsgas), aber nicht auf CO. Für CO brauchen Sie einen eigenständigen CO-Melder.
Kaufen Sie nur Geräte mit der Zertifizierung nach EN 50291. Das ist die europäische Norm für CO-Melder. Günstige Produkte ohne dieses Zertifikat sind unzuverlässig und können entweder zu früh oder zu spät alarm schlagen.
Wo montieren? CO ist fast gleich schwer wie Luft. Es verteilt sich gleichmäßig im Raum. Der CO-Melder sollte 1,5 Meter über dem Boden montiert sein, wo auch Menschen sitzen und schlafen. Im Raum der Gastherme und im Schlafzimmer.
6. Was tun, wenn der CO-Alarm auslöst?
- Sofort alle Fenster und Türen aufmachen. Frischluft rein.
- Die Wohnung verlassen. Alle Personen und Haustiere raus.
- Gas-Haupthahn schließen (sitzt neben dem Gaszähler).
- Den Notruf 122 (Feuerwehr) anrufen. Nicht selbst in die Wohnung zurückgehen.
- Bei Symptomen sofort die Rettung (144) rufen. CO-Vergiftung braucht medizinische Behandlung, manchmal Druckkammer.
Gehen Sie nicht zurück in die Wohnung, bis die Feuerwehr die Messung gemacht hat und freigibt. Auch wenn Sie keine Symptome mehr haben, kann noch CO in schlecht belüfteten Ecken stecken.
7. Die dauerhafte Lösung für Wiener Altbauten
Die sicherste und dauerhafteste Lösung ist der Umstieg auf eine raumluftunabhängige Gastherme. Solche Geräte haben ein doppelwandiges Abgassystem (LAS-System). Ein Rohr bringt Frischluft von außen direkt in die Verbrennung, das zweite Rohr führt die Abgase nach außen. Die Therme ist komplett von der Raumluft abgekoppelt. Kaminrückstau, Unterdruck durch Lüfter und schlechte Luft durch neue Fenster spielen keine Rolle mehr.
Eine solche Umrüstung ist bei Thermentausch meist problemlos möglich. Das LAS-System wird durch das vorhandene Kaminrohr oder direkt durch die Außenwand geführt. Die Kosten für den Thermentausch inklusive Umrüstung auf raumluftunabhängig lagen 2025 bei 3.000 bis 5.000 Euro.
Mehr zu den aktuellen Kosten für einen Thermentausch in Wien lesen Sie im Artikel Was kostet ein Thermentausch in Wien 2026?
Weiterführende Sicherheitsinformationen zu Kohlenmonoxid stellt das Brandverhütungsdienst für Wien, Niederösterreich und Burgenland (BFZ) bereit.
8. Häufige Fragen
- Kann eine gut gewartete Therme noch CO produzieren?
- Ja. Auch eine gewartete raumluftabhängige Therme kann bei Kaminrückstau CO in den Raum abgeben. Die Wartung reduziert das Risiko, aber beseitigt es nicht vollständig. Die dauerhafte Lösung ist eine raumluftunabhängige Therme.
- Mein Vermieter sagt, die Therme ist sicher. Was kann ich tun?
- In Österreich gilt die Wiener Heizkesselprüfungsordnung. Wer eine Gastherme betreibt, muss sie jährlich prüfen lassen. Wenn der Vermieter das verweigert, können Sie eine Anzeige bei der Bezirkshauptmannschaft erstatten. Hängen Sie auf eigene Kosten einen CO-Melder auf, denn das ist Ihr gutes Recht.
- Gilt das Risiko auch für Elektroboiler?
- Nein. CO entsteht nur bei Verbrennung. Ein elektrischer Boiler verbrennt nichts und produziert kein Kohlenmonoxid. Wenn Sie auf einen elektrischen Warmwasserbereiter umsteigen, ist das CO-Risiko beseitigt.
- Wie unterscheide ich CO-Kopfschmerz von einem normalen Kopfschmerz?
- Der Unterschied: CO-Kopfschmerzen treten regelmäßig in derselben Wohnung oder demselben Raum auf und verschwinden, wenn Sie die Wohnung verlassen. Sie treten bevorzugt beim Duschen oder Kochen auf. Ein normaler Spannungskopfschmerz tritt überall auf. Im Zweifel raus aus der Wohnung und beobachten, ob der Schmerz besser wird.
- Muss ich den CO-Melder dem Vermieter melden?
- In Wien gibt es keine gesetzliche Pflicht für Mieter, einen CO-Melder zu melden. Sie dürfen ihn ohne Genehmigung montieren. Wenn der Alarm auslöst, sollten Sie den Vermieter sofort informieren, da die Ursache (defekte Therme, Kaminproblem) in seiner Verantwortung liegt.
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