Bodengleiche Dusche nachträglich einbauen: Aufbauhöhen, Gefälle & Rinnen in Wien

Bodengleiche Dusche nachträglich einbauen: Aufbauhöhen, Gefälle & Rinnen in Wien
Kurze Antwort: Eine bodengleiche Dusche kann in fast jedem Wiener Bad nachträglich eingebaut werden. Die entscheidende Frage ist die vorhandene Aufbauhöhe. Ab 55 mm funktionieren Sanierungsabläufe. Bei weniger Platz gibt es Wandabflusslösungen. Die Gesamtkosten liegen zwischen 2.500 und 6.000 Euro.
Inhaltsverzeichnis

1. Ist der nachträgliche Einbau immer möglich?

Bodengleiche Duschen können in fast allen Wiener Bädern nachträglich eingebaut werden. Die Ausnahmen sind sehr selten. Ein Badezimmer über Holzbalkendecken (typisch für manche Jugendstilhäuser) kann bei unzureichender Bausubstanz Einschränkungen bringen. Das ist aber die Ausnahme.

In der Praxis gibt es zwei Situationen: Entweder wird das gesamte Bad renoviert, dann ist der Einbau einer bodengleichen Dusche der richtige Moment. Oder die Dusche soll alleine ausgetauscht werden, ohne den Rest des Bades anzufassen. Das zweite Szenario ist aufwendiger, aber machbar.

Bevor wir anbieten, messen wir die verfügbare Aufbauhöhe. Das dauert 10 Minuten und entscheidet, welches Ablaufsystem eingesetzt werden kann.

2. Die Aufbauhöhe entscheidet alles

Das ist der kritische Punkt beim nachträglichen Einbau. Der Abfluss muss im Boden sitzen. Dafür muss der Estrich aufgestemmt werden, das Abflussrohr abgesenkt werden und danach ein neuer Estrich aufgebaut werden.

Klassische bodengleiche Duschen brauchen 90 bis 120 mm Aufbautiefe, gemessen von der Oberkante des vorhandenen Betons bis zur neuen Oberfläche. Das klingt wenig, ist aber in einem Bad, das auf gleichem Niveau wie der Flur bleibt, manchmal schwierig.

Für geringe Aufbauhöhen gibt es Sanierungsabläufe: Diese Ultra-Flachabläufe haben eine Einbauhöhe von 55 bis 65 mm. Das Gefälle wird auf sehr kurzem Weg erzeugt. Ablaufleistung trotzdem über 0,5 Liter pro Sekunde.

Bei noch weniger Platz gibt es Wandabläufe (z.B. Geberit Duofix Duschsystem), bei dem das Gefälle in die Vorwand verlagert wird. Der Boden selbst bleibt eben, das Wasser läuft seitlich in einen Schlitz in der Wand ab.

3. Drei Abflusssysteme und wann welches passt

Duschrinne: Eine Edelstahl-Rinne entlang einer Wand oder quer durch den Duschbereich. Ideal für großformatige Fliesen, weil das Gefälle nur in eine Richtung geht. Die Fliesen müssen nicht diagonal geschnitten werden. Optisch sehr modern. Kosten für die Rinne: 250 bis 600 Euro.

Punktablauf: Ein einzelner Bodenablauf in der Mitte oder in einer Ecke der Dusche. Die günstigste Variante. Nachteil: Das Gefälle muss von allen vier Seiten zur Mitte laufen. Das erfordert Fliesenschnitte und eine sorgfältige Estricharbeit. Kosten: 80 bis 300 Euro.

Wandablauf: Der ästhetisch anspruchsvollste Abfluss. Der Boden ist vollkommen eben und unterbrechungsfrei. Das Wasser läuft in einen Schlitz zwischen Boden und Wand. Ideal für sehr flache Einbausituationen und für Bäder mit großen Bodenplatten ohne Unterbrechung. Kosten: 400 bis 900 Euro.

4. Abdichtung und Gefälle: Was nach ÖNORM Pflicht ist

Eine bodengleiche Dusche ist besonders anfällig für Wasserschäden, weil kein Duschwannentassenrand als Barriere vorhanden ist. Deshalb ist die Abdichtung nach ÖNORM B 3407 gesetzliche Anforderung.

Die Verbundabdichtung wird auf dem Rohbeton aufgetragen, bevor der Estrich kommt. Sie besteht aus zwei Lagen Abdichtungsmasse, die mit einem Gewebe dazwischen verstärkt werden. An den Ecken und am Ablauf werden flexible Dichtmanschetten gesetzt, die auch bei leichten Gebäudebewegungen dicht bleiben.

Das Mindestgefälle für den Duschbereich beträgt 1,5 bis 2 Prozent in Richtung Ablauf. Das klingt wenig, bedeutet aber: Bei einer Duschwanne von 80 x 80 cm fällt der Boden 12 bis 16 mm. Das ist der Unterschied zwischen gutem Ablauf und einem Wasserfilm, der stehen bleibt.

Praxis-Tipp von Sebastian Winter: Lassen Sie die Abdichtung nie von einem Fliesenleger allein ausführen, wenn es keine Handwerker-Abdichtungszertifizierung gibt. Abdichten ist eine eigenständige Fachleistung. Wenn die Abdichtung nicht stimmt, werden Schäden erst nach Jahren sichtbar, wenn der Wasserschaden schon in der Decke darunter angekommen ist.

5. Wie der Einbauablauf konkret aussieht

  1. Bestandsaufnahme: Aufbauhöhe messen, Ablaufanschluss prüfen.
  2. Vorhandene Duschwanne oder Bodenfliesen entfernen.
  3. Estrich im Duschbereich aufstemmen, Abflussrohr tiefer setzen, Rohranschluss herstellen.
  4. Verbundabdichtung zweilagig auftragen, Manschetten einsetzen, aushärten lassen (24 bis 48 Stunden).
  5. Gefälleestrich einbringen. Im Duschbereich genau auf das gewünschte Gefälle einstellen.
  6. Ablaufelement montieren.
  7. Fliesen verlegen mit flexiblem Fliesenkleber für Nassbereiche.
  8. Verfugen mit säurebeständiger Flexfuge.
  9. Silikon-Dehnfugen an Übergängen setzen.

6. Vollständige Kostenübersicht

LeistungKosten (ca.)
Estrich aufstemmen, Rohranbindung herstellen600 bis 1.100 Euro
Flachablauf oder Duschrinne inkl. Geruchsverschluss450 bis 850 Euro
Gefälleestrich und Verbundabdichtung ÖNORM B 3407500 bis 900 Euro
Fliesen Duschbereich (Material und Verlegung)600 bis 1.800 Euro
Gesamtpaket (Einzel-Duschaustausch ohne komplette Badsanierung)2.500 bis 6.000 Euro

7. Besonderheiten im Wiener Altbau

In Gründerzeithäusern haben manche Badezimmer sehr geringe Aufbauhöhen, weil die ursprüngliche Ausstattung keine bodengleiche Dusche vorsah. Oft ist nur 40 bis 50 mm Platz, bevor der Rohbeton beginnt.

In diesen Fällen gibt es zwei Optionen: Ein Wandablaufsystem (das ohne tiefes Eingraben in den Boden auskommt), oder eine kleine Podesterhöhung im Duschbereich um 5 bis 8 cm, sodass die Dusche leicht erhöht ist, aber innerhalb ein schwellenfreies Design hat.

Altbauten haben auch oft sehr alte Abflussrohre aus Gusseisen. Wenn beim Umbau festgestellt wird, dass der Abfluss korrodiert ist, muss er gleichzeitig getauscht werden. Das ist kein unnötiger Mehraufwand, sondern ein Qualitätssicherungsschritt.

Mehr zum Thema Bad ohne Aufwand modernisieren lesen Sie im Artikel Badewanne gegen Dusche tauschen in 24 Stunden

8. Häufige Fragen

Kann ich eine bodengleiche Dusche im Mietshaus einbauen?
Ja, wenn der Vermieter zustimmt. Bauliche Veränderungen im Bad eines Mietobjekts brauchen die schriftliche Genehmigung des Vermieters. Technisch spricht nichts dagegen. Wer die Kosten trägt (Mieter oder Vermieter), ist Verhandlungssache. Bei Barrierefreiheitsbedarf gibt es in Wien gesetzliche Regelungen, die dem Mieter entgegenkommen.
Kann ich die Fliesen lassen und nur den Ablauf tauschen?
Theoretisch ja, aber praktisch selten sinnvoll. Der neue Ablauf muss an die vorhandenen Fliesen angepasst werden, und die Abdichtung unter den Fliesen muss geöffnet und neu gemacht werden. Da werden fast immer Fliesen beschädigt. Meistens ist es wirtschaftlicher, den Duschbereich komplett neu zu machen.
Wie lange dauert der Einbau?
Bei einem reinen Duschaustausch (ohne komplette Badsanierung) dauern die eigentlichen Arbeiten 2 bis 3 Tage. Dazu kommt die Trockenzeit des Estrichs und der Abdichtung (2 bis 5 Tage), in der nicht gefliest werden darf. Die Dusche ist also innerhalb von 1 bis 1,5 Wochen fertig.
Ist eine bodengleiche Dusche rutschiger als eine Duschwanne?
Nicht wenn der richtige Bodenbelag gewählt wird. Fliesen im Duschbereich müssen eine Rutschhemmungsklasse von mindestens R10 haben (besser R11), gemäß ÖNORM. Feinstrukturierte Oberflächen, Mosaikfliesen oder spezielle Antirutsch-Beschichtungen auf glatten Fliesen bieten guten Halt.
Wie viel kostet die Variante mit Wandablauf mehr?
Ein Wandablauf (z.B. Geberit Wandablauf) kostet als Bauteil 400 bis 900 Euro, also 200 bis 400 Euro mehr als ein Flachabfluss. Aber durch die geringere Estrichtiefe spart man manchmal beim Aufbrechen und Auffüllen. Netto ist der Aufpreis für Wandablaufsysteme meistens 300 bis 600 Euro gegenüber Flachabläufen.
700 bis 1.200 Euro Fliesenverlegung (Rutschhemmung R10/B) 650 bis 1.100 Euro Echtglas-Duschabtrennung (Walk-In) inkl. Montage 900 bis 1.900 Euro Gesamtkosten (Schlüsselfertig) 3.300 bis 6.150 Euro