Solarthermie-Wartung in Wien: Frostschutzmittel (Glykol) & Stagnationsschäden vermeiden

Solarthermie-Wartung in Wien: Frostschutzmittel (Glykol) & Stagnationsschäden vermeiden
Kurze Antwort: Alle zwei Jahre sollte ein Fachmann Ihre Solaranlage warten. Er prüft den pH-Wert und die Frostschutzgrenze des Glykolgemischs, kontrolliert den Druck im Ausdehnungsgefäß, entlüftet den Solarkreis und prüft alle Temperaturfühler. Alle 6 bis 8 Jahre muss die Solarflüssigkeit vollständig gewechselt werden.
Inhaltsverzeichnis

1. Warum eine Solaranlage gewartet werden muss

Die meisten Solarthermiebesitzer denken: Die Anlage steht auf dem Dach, die Sonne scheint, das Warmwasser ist warm. Was soll da gewartet werden?

Das Problem liegt im Solarkreislauf. In der Anlage zirkuliert kein normales Wasser, sondern ein Gemisch aus Wasser und Propylenglykol. Dieses Gemisch schützt die Rohre im Winter vor dem Einfrieren und überträgt die Wärme vom Kollektor zum Speicher. Es altert aber chemisch. Und wenn es alt geworden ist, greift es die Kupferleitungen und Dichtungen von innen an.

Das passiert langsam und unsichtbar. Die Anlage läuft noch, aber der Wirkungsgrad sinkt. Manche Besitzer merken erst nach drei oder vier Jahren, dass das Warmwasser im Sommer nicht mehr so warm ist wie früher. Zu diesem Zeitpunkt ist oft schon Schaden entstanden.

Außerdem baut sich in ungepflegten Anlagen Luftpolster auf. Ein Luftpolster im Solarkreis bedeutet: Die Pumpe dreht, aber die Flüssigkeit bewegt sich nicht. Die Wärme bleibt im Kollektor. Der Speicher heizt sich nicht auf.

2. Woran erkennen Sie, dass etwas nicht stimmt?

Es gibt Anzeichen, die auf einen Wartungsbedarf hinweisen. Nicht alle davon sind auf den ersten Blick erkennbar:

  • Warmwasser im Sommer nicht heiß: Im Juli und August sollte das Warmwasser allein durch die Sonne auf 55 bis 65 Grad kommen. Wenn die Gastherme im Sommer oft nachheizen muss, stimmt etwas nicht.
  • Höherer Gasbrenner-Betrieb als früher: Wenn Ihre Gastherme im Sommer deutlich häufiger einschaltet als in den ersten Jahren nach Installation, verliert die Solaranlage an Leistung.
  • Brummen oder Zischen aus den Rohren: Ein hörbares Geräusch im Solarkreis deutet auf Luftpolster hin.
  • Solarregler zeigt unplausible Werte: Der Temperaturfühler am Kollektor meldet im Hochsommer nur 30 oder 40 Grad, obwohl strahlende Sonne scheint. Das ist ein Zeichen für einen defekten Sensor.
  • Manometerdruck sinkt regelmäßig: Wenn Sie öfter Druck nachfüllen müssen, verliert das System Flüssigkeit. Das kann am Sicherheitsventil passieren, wenn der Vordruck des Ausdehnungsgefäßes nicht stimmt.
Praxis-Tipp von Sebastian Winter: Schauen Sie im Sommer einmal pro Woche kurz auf den Manometer Ihrer Solaranlage. Normaldruck ist 2 bis 3 bar im heißen Betrieb und 1 bis 2 bar im kalten Zustand. Weicht der Wert stark ab, melden Sie sich beim Installateur.

3. Glykol: Was passiert, wenn die Solarflüssigkeit altert

Frische Solarflüssigkeit ist leicht alkalisch. Ihr pH-Wert liegt zwischen 8 und 9. Das schützt die Metallrohre vor Korrosion.

Wenn die Flüssigkeit durch hohe Temperaturen altert, entstehen organische Säuren. Der pH-Wert sinkt unter 7. Die Flüssigkeit wird sauer. Saure Flüssigkeit greift Kupferrohre, Messingformstücke und Gummidichtungen an. Das Ergebnis: Grünliche Ablagerungen in den Rohren, undichte Verbindungen, Kalkablagerungen am Wärmetauscher.

Besonders gefährlich ist die thermische Überlastung durch Stagnation. Im Sommer, wenn niemand zuhause ist und kein Warmwasser verbraucht wird, heizt sich die Solarflüssigkeit auf über 180 Grad auf. Das beschleunigt die chemische Zersetzung des Glykolgemischs erheblich. Eine Anlage, die regelmäßig im Sommer stagniert, braucht den Glykoltausch früher als eine, die gleichmäßig betrieben wird.

Die Frostschutzgrenze ist ebenfalls wichtig. Frisches Gemisch schützt bis minus 25 bis minus 30 Grad. Altes, verbrauchtes Gemisch schützt vielleicht noch bis minus 10 Grad. Ein Wiener Winter mit minus 15 Grad kann die Kollektorrohre dann einfrieren und bersten lassen. Das ist ein echter Totalschaden.

4. Stagnation im Sommer: Das unterschätzte Risiko

Stagnation heißt: Die Pumpe schaltet ab, weil der Speicher voll aufgeladen ist. Die Solarflüssigkeit im Kollektor wird weiter von der Sonne erhitzt, ohne abgeführt zu werden. Sie überhitzt und verdampft.

Dieser Dampf ist nicht harmlos. Er setzt sich in der gesamten Anlage unter Druck. Das Ausdehnungsgefäß muss diesen Überdruck aufnehmen. Wenn es zu klein dimensioniert ist oder der Vordruck falsch eingestellt wurde, öffnet das Sicherheitsventil. Solarflüssigkeit tritt aus und geht verloren. Bei der nächsten Inbetriebnahme kann Luft in den Solarkreis eingetreten sein.

Jede Stagnation beschleunigt die Alterung des Glykolgemischs. Anlagen, die jedes Jahr mehrere Wochen durch Urlaub oder geringe Warmwasserentnahme stagnieren, brauchen einen Glykoltausch nach 4 bis 5 Jahren. Anlagen, die gleichmäßig laufen, kommen 7 bis 8 Jahre ohne Tausch aus.

Wenn Sie längere Zeit verreisen, empfiehlt es sich, die Kollektoren abzudecken oder die Umwälzpumpe dauerhaft laufen zu lassen, sodass der Speicher zumindest ein wenig entladen wird.

5. Was der Techniker bei der Wartung macht

Eine professionelle Solarwartung umfasst folgende Prüfschritte:

  1. Frostschutzgrenze messen: Mit einem optischen Refraktometer wird geprüft, ob das Gemisch noch bis mindestens minus 25 Grad frostgeschützt ist. Das dauert weniger als eine Minute.
  2. pH-Wert messen: Mit einem digitalen pH-Meter wird der Säuregehalt der Solarflüssigkeit bestimmt. Liegt der Wert unter 7,5, ist ein Glykoltausch empfohlen. Unter 7,0 ist er dringend nötig.
  3. Ausdehnungsgefäß prüfen: Das Solargefäß wird auf seinen Stickstoff-Vordruck geprüft und bei Bedarf nachgefüllt. Dieser Wert ist abhängig von der Anlagenhöhe und muss zum System passen.
  4. Solarkreis entlüften: Über den Schnellentlüfter werden Luft- und Mikroblasen aus dem System abgeführt. Eine Anlage mit Luftpolstern hat deutlich geringere Erträge.
  5. Temperaturfühler und Regler prüfen: Kollektor- und Speicherfühler werden auf plausible Werte getestet. Ein defekter Fühler sendet falsche Temperaturen an den Regler, der daraufhin die Pumpe falsch steuert.
  6. Pumpe und Ventile kontrollieren: Die Solarkreispumpe wird auf Geräusche und korrekten Volumenstrom geprüft. Absperrventile und Kugelhähne werden auf Leichtgängigkeit getestet.
  7. Kollektor und Rohrleitungen sichtprüfen: Beschädigungen an der Kollektorfläche, lockere Dachhaken oder beschädigte Rohrisolierungen werden dokumentiert.

6. Was kostet die Wartung einer Solaranlage in Wien?

Die Wartungskosten richten sich nach dem Umfang der Anlage:

LeistungKosten (ca.)
Standardwartung (pH, Frostschutz, Druck, Entlüftung)80 bis 150 Euro
Wartung plus Glykoltausch (5 bis 10 Liter)200 bis 350 Euro
Defekten Fühler tauschen50 bis 120 Euro zusätzlich
Pumpe tauschen150 bis 300 Euro

Diese Kosten stehen in keinem Verhältnis zu einem möglichen Totalschaden durch eingefrorene Leitungen oder korrodierte Rohre. Ein solcher Schaden kann 2.000 bis 5.000 Euro kosten und erfordert teilweise eine neue Solaranlage.

Mehr zur Wirtschaftlichkeit einer Solaranlage lesen Sie im Artikel Wie viel Ertrag bringt eine Solaranlage in Wien?

7. Wartungsintervalle: Wann was fällig ist

Hier eine Übersicht, wann welche Maßnahmen empfohlen werden:

MaßnahmeEmpfohlenes Intervall
pH-Wert und Frostschutzgrenze prüfenAlle 2 Jahre
Ausdehnungsgefäß und Druck prüfenAlle 2 Jahre
Solarkreis entlüftenAlle 2 Jahre oder bei Verdacht auf Luftpolster
Solarflüssigkeit vollständig wechselnAlle 6 bis 8 Jahre (oder wenn pH unter 7,5)
Solarkreispumpe prüfen oder tauschenAlle 10 bis 15 Jahre

Bei Anlagen, die regelmäßig lange Stagnationsphasen haben (z.B. wegen häufiger Sommerurlaubsabwesenheit), sollte der Glykolzustand jährlich überprüft werden.

Detaillierte technische Hinweise zur Wartung von Solarthermiesystemen veröffentlicht die AEE INTEC (Institut für Nachhaltige Technologien) in österreichischen Leitfäden.

8. Häufige Fragen

Kann ich den pH-Wert selbst messen?
Ja, einfache pH-Teststreifen gibt es in Drogeriemärkten. Sie geben eine grobe Orientierung. Für eine zuverlässige Messung braucht es aber ein geeichtes digitales pH-Meter. Für die Frostschutzgrenze brauchen Sie einen optischen Refraktometer. Wenn Sie unsicher sind, lassen Sie es besser vom Fachmann machen.
Was passiert, wenn ich die Wartung jahrelang weglasse?
Zunächst sinkt die Leistung der Anlage. Dann werden Ablagerungen in den Rohren und am Wärmetauscher sichtbar. Im schlimmsten Fall friert die Anlage ein oder eine korrodierte Leitung bekommt ein Leck. Solche Schäden sind teuer und vermeidbar.
Muss Glykol als Sondermüll entsorgt werden?
Ja. Propylenglykol darf nicht in den Hausmüll oder in die Kanalisation. Es gehört zur Problemstoffsammelstelle oder wird vom Installateur fachgerecht entsorgt. Unser Betrieb nimmt die alte Solarflüssigkeit mit und entsorgt sie ordnungsgemäß.
Gibt es Solaranlagen, die ohne Glykol funktionieren?
Ja. Drainback-Anlagen entleeren sich automatisch, wenn die Pumpe abschaltet. Die Kollektoren sind dann leer und können nicht einfrieren. Dieser Anlagentyp braucht kein Glykol und hat deutlich weniger Wartungsaufwand. Er ist aber in der Anschaffung teurer und erfordert eine exakte Planung der Rohrleitungen.
Meine Solaranlage läuft schon 15 Jahre problemlos. Muss ich noch warten?
Unbedingt. Nach 15 Jahren ist die Solarflüssigkeit mit Sicherheit längst verbraucht, auch wenn die Anlage noch läuft. Der Wirkungsgrad ist wahrscheinlich stark gesunken. Eine Wartung jetzt verhindert teure Folgeschäden in den nächsten Jahren.
Sebastian Winter Gas- und Sanitärtechnikermeister

Über den Autor: Sebastian Winter

Konzessionierter Gas- & Sanitärtechnikermeister • Allkommerz GmbH

Sebastian Winter führt den traditionsreichen Wiener Meisterbetrieb in der Hetzendorfer Straße 77–79a. Mit über 15 Jahren praktischer Baustellenerfahrung im Wiener Alt- und Neubau berät er Kunden fundiert zu Badsanierungen, Heizungsmodernisierungen, Gasprüfungen nach ÖVGW und barrierefreien Förderprojekten der Stadt Wien.

Planen Sie ein Projekt in Wien?

Lassen Sie sich unverbindlich vor Ort oder per 3D-Planung von unserem Meisterbetrieb beraten. Wir kalkulieren transparent, termintreu und ohne versteckte Kosten.

Solarthermie-Wartung in Wien buchen